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Aphasiesegeln „Wappen von Ueckermünde“

17.-24. Juli 2022

Es war am 17. Juli 2022 als es um 07:03 Uhr an meiner Haustür klingelte. Renate und Marcus waren schon um 04.00 Uhr in Grafenau (Bayerischer Wald) losgefahren, um mich in Hummeltal abzuholen und mit mir nach Ueckermünde am Stettiner Haff zu fahren. Eine Stunde früher als vereinbart kamen sie an. Also musste ich nur schnell aufstehen und mich fertig machen, damit die beiden nicht zu lange warten mussten. Gott sei Dank hatte ich alles schon gepackt und nach einer kurzen Rast ging unsere Reise zum Aphasie Segeln 2022 auf der Ostsee für uns drei weiter.
Frank und Jörn machten sich gemeinsam aus Richtung Würzburg auf den Weg. Fransh und Ingrid waren schon am Samstag losgefahren und holten nun Stefan in Leipzig ab. Bernhard fuhr als alter Segler die gesamte Strecke von Bad Tölz nach Ueckermünde, mit Zwischenstopp in Leipzig, in zwei Tagen.
So kamen alle Besatzungsmitglieder heil am Sontag Nachmittag in Ueckermünde an und konnten gleich an Bord der „Wappen von Ueckermünde“ gehen und die Kojen beziehen.
Auch Emma, eine Skipper-Praktikantin traf am Sonntag mit ein.
Nachdem eine herzliche Begrüßung stattgefunden hatte (man hatte sich ja zwischendurch lange nicht gesehen oder kannte sich noch überhaupt nicht) bekam jedes Besatzungsmitglied seinen Aphasie Segeln-Hoodie.
Toll die ganze Besatzung so einheitlich zu sehen!
Wir verstauten unsere persönliche Ausrüstung, bunkerten die Verpflegung die Frank schon in weiser Voraussicht eingekauft hatte, hievten die Bier- und Weinverpflegung an Bord und waren schon schnell zu einem Team auf der „Wappen von Ueckermünde“ verschmolzen.
Am Sonntagabend fuhren wir alle zusammen noch einmal nach Ueckermünde zum Griechen, wo wir aufgrund unseres großen Hungers drei Runden „Ouzo“ eingeschenkt bekamen. Ein wunderschöner „Kennenlernabend“.
Montagmorgen, unsere erste Nacht auf der „Wappen von Ueckermünde“ hatten wir schon hinter uns.
Nun ging es darum alles „klar Schiff“ zu machen. Frank, Marcus und Jörn machten sich auf, um Frischwaren und Wasser zu kaufen. Der Rest der Mannschaft war damit beschäftigt alles für die Reise zu organisieren.
Am frühen Vormittag kamen die beiden Skipper. Zunächst Sven und dann Thorsten.
Nach kurzer Begrüßung, Ausstattung und Einweisung einigten sich alle darauf, dass unser Segeltörn nach Norden zur dänischen Insel Bornholm gehen sollte, um dem heißen Wetter ohne Wind zu entgehen.
Es war nun Zeit angesagt, um nicht von den Wetterzonen eingefangen zu werden.
Also segelnden wir los – in Richtung Bornholm!
Ueckermünde – Bornholm in einem Schlag. Das bedeutete Segel setzen und die gesamte Nacht bis zum Morgen segeln.
Die Crew hatte sich in drei Wachen geteilt.
Die erste Wache mit Skipper Thorsten und Stefan, Fransh und Ingrid. Die zweite Wache mit Co-Skipper Sven und Thomas, Marcus und Bernhard. Die dritte Wache mit Skipper-Praktikantin Emma und Frank, Jörn und Renate.
Gleichzeitig fanden sich mit Frank und Renate gleich Smutje und seine rechte Hand. Gott sei Dank! Was die beiden uns zu Essen aus der kleinen Küche zauberten, war gigantisch. Danke den beiden!
Die Überfahrt, vor allem die bei Nacht, war traumhaft. Die Ostsee so platt wie ein Bügeltisch. Der Wind gleichmäßig und nicht zu viel aus Südwesten. So schipperten wir in aller Seelenruhe bis Bornholm.
Am Dienstag, den 26. Juli 2022, machten wir gegen 08:00 Uhr in Ronne Haven fest. Wir versorgten das Schiff und jeder konnte den gesamten Dienstag zu seiner Verfügung ausnutzen.
Gegen 19:00 Uhr trafen wir uns in Ronne zu einem gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant.
Der Wind machte auch in Bornholm eine „Sommerpause“, so dass wir uns entschieden nur einen kleinen Törn an der Westküste von Bornholm zu drehen und pünktlich in einem kleinen Ort namens Hasle anzulanden. Nicht ohne in der Zwischenzeit verschiedene „Wenden“ und „Halsen“ geübt zu haben.
In Hasle konnten wir schwimmen, wandern, schlafen oder machen, wozu wir Lust hatten.
Am Donnerstag entschieden wir uns nach gemeinsamem Studium des Wetters, Kurs in Richtung der polnischen Küstenstadt Swinoujscie am Kanal zu Stettiner Haff zu nehmen.
Obwohl wir noch Glück mit dem Wetter hatten, links und rechts von uns waren Gewitter, wurde die See unruhig und die Seekrankheit schlug wieder bei einigen zu.
Logisch, ich gehörte auch dazu und schwor, dass ich niemals mehr segeln würde.
Das letzte Stück war dann wieder ruhig und es war kaum Seegang zu spüren. Und die Seekrankheit verflog so schnell wie sie gekommen war. Merkwürdig, aber der Kopf hat seine eigenen Regeln.
Um 01:00 Uhr machten wir dann in Swinoujsce fest und begaben uns zur Nachtruhe.
Früh morgens waren wir schon wieder auf. Marcus ging Milch und Brötchen holen. Emma und ich gingen zum Hafenmeister, die Rechnung bezahlen. Frank, Renate und Ingrid bereiteten das Frühstück vor.
Vor uns lag nur noch die Tour von Swinoujsce nach Ueckermünde. Und um 17:00 Uhr liefen wir in unseren Hafen ein. Das war sie, die Aphasie-Segel-Tour 2022.
Doch wir hatten noch eine Überraschung für unsere Skipper.
Nach einem gemeinsamen Foto brachte Frank die Überraschung für Thorsten, Sven und Emma.
Emma bekam eine Tafel Schokolade mit einem Geldpräsent. Sven bekam einen edlen Tropfen auf der Würzburger Region. Und für Thorsten hatte Frank einmal von unterwegs ein belgisches Bier geholt, das Thorsten auf unserer Fahrt kennen und lieben gelernt hatte.
Tränen waren in seinen Augen. Und als ich noch ein paar Worte des Dankes sagen wollte verschlug es mir die Worte und ich heulte nur noch. Aber alle wussten, was ich sagen wollte.
Danke!
Am Abend gab es zum Abschuss aus der Küche noch Frank’s Pizza.
Das Vertrauen von Thorsten in uns, war so groß, dass er uns noch zwei Nächte auf der „Wappen von Ueckermünde“ herbergen ließ. Wir mussten noch am Samstag und Sonntagmorgen „Klar Schiff“ machen. Den restlichen Samstag verbrachten wir nach unserem freien Vergnügen, im Ort, in der Umgebung oder ließen die Füße baumeln.
Zum offiziellen Abschluss des Aphasie Segeln 2022 übergab jedes Besatzungsmitglied einem anderen dessen Teilnahmebescheinigung mit den Worten, was ihm am anderen während der Woche auf See persönlich am meisten imponiert hatte.
Am Feuer endete das Aphasie Segeln 2022, mit acht Aphasikern und einem Nicht Aphasiker.
Glaubt nur nicht auf dem 22m langen Schiff wäre alles immer so harmonisch und liebevoll abgelaufen. Ganz im Gegenteil. Doch haben es immer wieder alle geschafft, sich zurückzunehmen, sich in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen, ihre Egos zu vergessen und so dafür zu sorgen, dass das Aphasie Segeln für alle unvergesslich bleiben wird.
Thomas Loch
30. Juli 2022